Co-Working-Community

Unsere Atelier- und Studiogemeinschaft war etwas aussergewöhnlich, weil sie recht unterschiedliche Kunst- und Werkrichtungen sowie gesellschaftliche Engagements vereinte, ohne klare räumliche Trennungen zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen zu verwenden. Die einzelnen Beteiligten besetzten nur eine minimalste „eigene“ Fläche, zugunsten von viel gemeinsamem Raum, der mit Infrastruktur bestückt war und von allen multifunktional genutzt werden konnte – selbstverständlich immer in Absprache mit allen anderen und unter gemeinsam festgelegten Regeln.

Diese ständige Konfrontation mit dem Schaffen und den Bedürfnissen der anderen hielt die eigene Kreativität und Aktivität auf Trab. Dieses offene und spannende Arbeitsumfeld war an sich bereits eine Ressource. Ihr wurde  von den aktuellen Gesellschaftsstrukturen viel zuwenig Beachtung geschenkt. Wir gaben ihr Raum, indem wir den Raum gemeinsam und mit möglichst wenig Wänden nutzten.

Zudem konnte der Tangomusiker einmal einen Ball organisieren, ohne dass er dafür extra Räumlichkeiten mieten musste. Oder die Schuhkooperative konnte zwischendurch deutlich mehr Platz beanspruchen, um ihre Kurse durchzuführen und sich danach wieder auf ihre eigenen 3x3m zurückzuziehen. Oder die Gemüsekooperative konnte ab und zu ihre Mitgliederversammlung durchführen. Usw.

In der Albizke konnte man nicht nur Atelier- und Studioplätze mieten, sondern auch die sogenannte "Infrastrukturnutzung".

Da wir bewusst nur die Hälfte des gesamten Raumes individuell fix aufteilten, stand die andere Hälfte - also rund 250 m2 - jederzeit allen zur Verfügung oder konnte temporär individuell genutzt werden. Wer keinen ureigenen Platz brauchte, aber mit der allgemeinen Albizke-Infrastruktur viel anzufangen wusste, konnte sich entsprechend einklinken als "InfrastrukturnutzerIn".

Zur Verfügung standen neben den allgemeinen Flächen eine kleine Bühne, Meetingräume, eine vielfältig ausgestattete Küche, zwei Duschen und eine Hochbadewanne, eine kleine Werkstatt (Holz, Velo, Strom, u.a.), Beamer, eine Sofaecke, ein paar Arbeitstische (z.B. zum Nähen, oder viele oder grosse Dokumente auslegen, etc.), ein schalldichter Raum, Kopier-/Scanapparate, eine Hängematte, ... und es kam immer dazu, was einzelne oder alle zusammen sinnvoll fanden. Die meiste Infrastruktur war mobil, damit man nach Bedarf den Raum an die eine oder andere temporäre Nutzungsart anpassen konnte.

Wolltest du also, ohne einen fixen Platz zu mieten, trotzdem regelmässig die Werkstatt nutzen, oder in der Küche Lebensmittel haltbar machen, oder auf der Galerie im Internet surfen, oder von der Hochbadewanne die Aussicht geniessen, oder am Versammlungstisch Sitzungen abhalten, oder auf der Bühne etwas präsentieren, oder regelmässig Filme projizieren, usw., und wäre dir das 181.- pro Monat wert gewesen und hätten wir auch sonst zu dir gepasst, dann hättest du mit uns Kontakt aufnehmen können.

Nun gibt es die Albizke aber nicht mehr - dafür leben die Ideen und Konzepte an anderen Orten weiter.










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